„Männertag“

Deconstruction Of Sex

Es ist wieder soweit. 40 Tage nach Ostern begeben sich so genannte Männer mit viel Alkohol und Aggressionspotential auf die Straße. Aber warum eigentlich? Der ursprüngliche Grund, warum sie an dem Tag diese „Herrenpartien“ abhalten, ist, dass jüngere Gleichgesinnte in die Sitten und Unsitten des wahren „Mannseins“ eingeführt werden sollen. In erster Linie bestehen diese offensichtlich darin, zu saufen, sich gehen zu lassen, in legitimierter Weise dumm zu sein und darüber hinaus sein Aggressionspotential nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

Aber was steckt denn eigentlich wirklich hinter diesem „Männertag“? Dient er in Wirklichkeit etwa dazu, dass männlich sozialisierte Personen ihre „Männlichkeit“ mal gehörig abfeiern und sich darin bestärken können, dass sie die besseren beziehungsweise die einzig wahren Menschen sind, oder doch nur dazu, sich mal wieder in der Gruppe stark fühlen zu können? Eben nicht gefasst und seriös sein zu müssen, sondern sich auch mal umarmen zu dürfen? Vielleicht soll auch einfach noch mal manifestiert werden, dass es genau zwei Geschlechter mit klaren Rollenverteilungen gibt. – Männer trinken Bier mit ihren Kumpels und Frauen kümmern sich derzeit um die Familie. – wobei hier anzumerken ist, dass es mittlerweile auch die sich nicht als „männlich identifizierenden“ Menschen zum Saufen auf die Straße verschlägt. Eine Entwicklung die spannend, wenn auch beängstigend ist.

Eins bleibt jedoch festzuhalten: Zusammenrottungen dieser Art führen allgemein leider nicht dazu, dass die Gewaltbereitschaft sinkt und alle Menschen nett zueinander sind. Abgrenzungsprozesse tun ihr Übriges. Rassismus, Homophobie, Sexismus und Nationalismus sind an der Tagesordnung − und an diesem Tag noch viel weniger nur in den Köpfen, sondern auf den Straßen, wenn auch nicht als geordneter Demonstrationszug, sondern überall, so weit Auge und Ohr reichen.

Wir haben keinen Bock mehr, diese grölenden Gruppen zu ertragen. Stattdessen könnte dieser Tag doch dazu genutzt werden, mal ein Buch über Geschlechterkonstruktionen zu lesen oder sich mal mit gesellschaftlichen Herrschaftsmechanismen auseinanderzusetzen. Die Mutigen unter euch, die keine Konfrontation scheuen, könnten einfach ein bisschen losziehen und Bollerwägen entwenden, sie umgestalten oder auch anschließen, oder Menschen in Gespräche verwickeln. Schminksets verteilen oder Männer mit rosa Glitzer bewerfen könnte vielleicht nach hinten losgehen, am Ende fänden sie es nur lustig und es würde ihrem Tag ein weiteres vermeintlich spannendes Erlebnis hinzufügen. Bei einer ironischen Überspitzung des männlichen Gehabes würde vermutlich ähnliches passieren. − womöglich würde sie gar nicht als solche wahrgenommen. Hast du einen Balkon oder andere Aussichtsplattform, wappne dich mit Schreibblock und Stift und führe eine soziologische beziehungsweise ethnologische Studie durch (die Methode Interview könnte anstrengend werden. − vielleicht sind Nachzeichnen der Rudelbewegungen oder Videoaufnahmen aus der Ferne eher angebracht.) Eine Idee wäre auch, kreative Transparente an Biergärten oder ähnliches aufzuhängen. Gezielte (Sitz-)blockaden sind auch denkbar.

Wenn du den Tag auch scheiße findest, aber dich dann doch genötigt fühlst, mitzufeiern, dann trink nicht zu viel und sieh es als deine soziale Verantwortung, zu intervenieren, wenn deine Männerkumpels anfangen, andere Menschen zu belästigen. Die anderen Menschen werden es dir höchstwahrscheinlich danken! Vielleicht suchst du dir aber auch einfach Leute in deinem Freund_innenkreis, mit denen du ganz entspannt bei ’nem Kaffee abhängen kannst.
Wer an dem Abend nicht aufs Feiern verzichten möchte, kann gerne ins Sabotage zur „Deconstruction Of Sex“-Party kommen und ohne mackrige Saufmenschen einen schönen Abend haben. Vielleicht ergibt sich dort auch die Möglichkeit, sich über gute und schlechte Erlebnisse an diesem Tag auszutauschen.

Die Einnahmen der Soliparty werden in die Finanzierung des „e*camp – gegen kapitalismus und sein geschlechterverhältnis“ fließen. Es ist ein großer Aufwand, die benötigte Summe einzuspielen. Daher bitten wir um eure Unterstützung.

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Deconstruction Of Sex
09.05.2013 // 23.00
Sabotage // Dresden
L_Sa & kikimike
FLiERS
Female Vocalists/Dream Pop/Electronic/Indie/Pop/Tronic


1 Antwort auf „„Männertag““


  1. 1 Unknown 07. Mai 2013 um 5:27 Uhr

    Ich habe nach Rollenverteilung aufgehört, so ein quatsch. Wenn man als Frau sich dabei unterdrückt fühlt ist es wohl deren Schuld und lässt von mangelndem sozialen Selbstbewusstsein zeugen. Wenn dieser Blog nach Jahrzehnten von Emanzipation immmernoch auf die Rollenverteilung der Geschlechter eingeht und das dann auch noch so veralgemeinert, weiß man eigentlich schon bescheid. Die Frau hat doch immernoch das selbe Recht auf *saufen*,okey inwiefern das nun gut ist mal dahingestelllt, als der Mann. Die Rolle der Frau wird von der Frau bestimmt, gezwungen Zuhause zu bleiben wird heutzutage wohl nurnoch in den seltensten Fällen durchgesetzt. Und bezogen auf den *Männertag* ist dies bloß ein Oberflächlich und schlecht argumentierter Beitrag der weder auf Gegenbeispiele oder *positive* Fälle eingeht. Es muss nicht immer das besoffene, geprolle der sozial Schwachen Schichten um ihre eigene Lebensweiße zu vergessen, sein. Manchmal ist es einfach auch nur ein nettes Beieinandersein von Kumpels auf ner Wiese.
    Bitte Danke.

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